Voodoo-Prozess

Hauptangeklagter versprach ausreisewilligen Frauen paradiesische Zustände

Im Voodoo-Prozess um Ausbeutung in Bordellen in Castrop-Rauxel, Selm und Dorsten hat der Hauptangeklagte Frauen offenbar mit der Schilderung von paradiesischen Zuständen nach Europa gelockt.

Aus einem am Mittwoch vor dem Bochumer Landgericht verlesenen Gesprächsprotokoll eines abgehörten Telefonats geht hervor, dass der Angeklagte während der Schleusungsaktion immer wieder Kontakt zu den von ihm angeworbenen Frauen in Afrika gesucht hat. Dabei gab der 34-Jährige nicht nur Aufmunterungen und Durchhalteparolen aus - sondern er prophezeite den nigerianischen Frauen auch schnellen Reichtum.

"Ihr werdet alle ans Ziel kommen."

"Lasst euch eure Laune nicht verderben. Ihr werdet alle ans Ziel kommen. Ich kenne das Land, wo ihr hinkommt", sagte der 24-Jährige beispielsweise in einem Telefonat zu einer Landsfrau. Um dann gleich nachzuschieben: "Es heißt Deutschland. Dort, wo man innerhalb von sechs Monaten reich werden kann."

Im weiteren Verlauf des Telefonats wurde der Hörer von einer Verbindungsperson an mehrere ausreisewillige Frauen weitergegeben, die dann nacheinander kurz auf Englisch ein paar Worte mit dem Angeklagten wechselten. Viele Frauen sprachen den Angeklagten am Telefon als "Chef" an.

Abgehörtes Telefonat vor Schleusung über das Mittelmeer

Wie es hieß, soll sich die Gruppe der Frauen zum Zeitpunkt des Telefongesprächs unmittelbar vor der Überquerung des Mittelmeers in Nordafrika aufgehalten haben. "Ich bete zu Gott, dass ihr es schafft", gab der Angeklagte einer Frau am Telefon vor der Bootsfahrt mit auf den Weg. Dann versprach er: "Ihr werdet alle anfangen, Häuser in Nigeria zu bauen, wenn ihr es hierher schafft. Viele Mädchen haben diese Reise schon gemacht. Heute haben sie und ihre Familien alle schöne Häuser."

Neben dem 34-Jährigen sind fünf weitere Nigerianer wegen Menschenhandels, Zuhälterei, sexueller Ausbeutung und Betrugs angeklagt. Die Gruppe soll laut Staatsanwaltschaft von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordelle im Ruhrgebiet, auch nach Castrop-Rauxel, vermittelt haben.

Vor der wochenlangen Schleusungsaktion sollen die Frauen in Nigeria vor einem Juju-Priester zur Einschüchterung ein blutiges Voodoo-Ritual durchlaufen haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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