Am Landgericht Bochum geht es aktuell um Steuerhinterziehung.
+
Am Landgericht Bochum geht es aktuell um Steuerhinterziehung.

Landgericht Bochum

Steuerhinterziehung: Über eine Million Euro verschenkt

  • Jörn Hartwich
    vonJörn Hartwich
    schließen

Eine Frau aus Castrop-Rauxel bekommt von ihrer Mutter über eine Million Euro geschenkt – in bar. Jetzt stehen sie und ihr Mann vor Gericht. Weil sie das Geld nicht versteuert haben sollen.

Auf den ersten Blick würde sicherlich niemand auf die Idee kommen, dass dieses Ehepaar steinreich sein soll: Als die 59-jährige Frau und ihr ein Jahr jüngerer Ehemann am Dienstag im Bochumer Landgericht erschienen, trugen sie Fleecejacken und übergroße T-Shirts. Ob sie sich extra für den Gerichtstermin so leger angezogen haben, um jeden Eindruck von Reichtum zu vermeiden, wurde natürlich nicht verraten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar aus Castrop-Rauxel auf jeden Fall massive Steuerhinterziehung vor. Es geht allein um rund 1,3 Millionen Euro Bargeld, von dem das Finanzamt laut Anklage keine Ahnung hatte.

Mehrere Immobilien

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte das Geld von ihrer Mutter geschenkt bekommen hat. Und zwar nachdem ihr Vater verstorben sei. Das war angeblich Ende 2011. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde der Betrag über viele Jahre hinweg von Mietkonten abgezogen und als Bargeld zur Seite gelegt. So wie es aussieht, hat die Familie auch über mehrere Immobilien verfügt.

Laut Anklage hätte die 59-Jährige die Schenkung spätestens drei Monate später dem Finanzamt anzeigen und den Betrag versteuern müssen. Nach Abzug von Freibetrag und Sicherheitsabschlag wären angeblich immer noch rund 150.000 Euro zusammengekommen, die dem Finanzamt als Schenkungssteuer zugestanden hätten. Doch diese Summe wurde bis heute nicht bezahlt.

Was Richter Markus van den Hövel auch sofort zum Anlass nahm, die Angeklagten darauf hinzuweisen, dass eine Schadenswiedergutmachung eine zu verhängende Strafe deutlich mildern würde. Natürlich nur im Falle einer Verurteilung.

Sammelleidenschaft

Das Geld soll die Castrop-Rauxelerin übrigens sofort an ihren Mann weitergeleitet haben – zur Finanzierung seiner teuren Hobbys. In der Anklage ist gleich von mehreren Sammlungen die Rede - von Motorrädern, Oldtimer-Autos, Kameras und Modellautos. Wörtlich hieß es dazu: „Sie überließ ihrem Mann schenkungsweise einen Großteil des Bargelds, um dessen Sammelleidenschaft zu unterstützen.“

Außerdem geht es vor Gericht um geschenkte Immobilien, die einen Wert von etwas mehr als 900.000 Euro gehabt haben sollen. Auch diese Schenkung wurde laut Anklage nicht versteuert.

Das Ehepaar selbst hat sich zum Prozessauftakt vor der 2. Strafkammer des Bochumer Landgerichts noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Verteidiger haben aber schon durchblicken lassen, dass sie die Berechnungen der Steuerbehörde und des Finanzamts so nicht akzeptieren wollen.

An der Schenkung des Bargeld-Betrages besteht aber wohl kein Zweifel. Dieser Vorwurf soll offenbar eingeräumt werden. Auch das ist am ersten Verhandlungstag bereits bekannt geworden. Gericht und Staatsanwaltschaft wollen die Berechnungen nun noch einmal überprüfen. Dann wollen sich die Angeklagten über ihre Verteidiger auch selbst zu den Vorwürfen äußern.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Castrop-Rauxel: Mann tötet Frau und bringt anschließend sich selbst um
Castrop-Rauxel: Mann tötet Frau und bringt anschließend sich selbst um
Castrop-Rauxel: Mann tötet Frau und bringt anschließend sich selbst um
Unfallflucht in Castrop-Rauxel – Polizei setzt Hubschrauber zur Fahndung ein
Unfallflucht in Castrop-Rauxel – Polizei setzt Hubschrauber zur Fahndung ein
Unfallflucht in Castrop-Rauxel – Polizei setzt Hubschrauber zur Fahndung ein

Kommentare