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Dieter Becker hat es sich auf dem Sofa in seinem neuen Wohnzimmer schon bequem gemacht. Er übernachtet allerdings noch in einer anderen Mietwohnung.

Nach über einem Jahr

Bewohner kehren ins Ickerner Brandhaus zurück

ICKERN - Etwas mehr als ein Jahr nach dem verheerenden Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Kirchstraße in Ickern stehen die ehemaligen Bewohner kurz vor dem Wiedereinzug. Noch haben sie die Bilder der reißerischen Flammen deutlich vor Augen und fragen sich, wie sich wohl die erste Nacht im Brandhaus anfühlen wird.

Dieter Becker stapft in Arbeitskleidung durch das Haus an der Kirchstraße, in dem im Juli 2016 ein tragischer Brand weitaus mehr als bloß eine „Spur“ der Verwüstung hinterließ. In der Hand hält Becker einen Zollstock, in den Taschen hat er Schraubendreher, Hammer und andere Werkzeuge. Der pensionierte Beamte hat in den vergangenen Monaten der Sanierung auch selbst mit angepackt. „Zusammen mit einem Kumpel. Wir haben unter anderem die Bäder in der linken Haushälfte kernsaniert. Das waren bestimmt 500 Arbeitsstunden“, sagt Becker.

Die drei Wohnungen, von denen er spricht, waren von dem Feuer nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Dennoch wollte Becker, dem drei der sechs Wohnungen gehören, etwas verändern, die Wohnungen auf den neuesten Standard bringen, die vermeintliche Gunst der Stunde nutzen sozusagen – auch, wenn er einen Teil der Kosten dafür aus eigener Tasche bezahlen musste. Das Haus habe im vergangenen halben Jahr schließlich ohnehin einer Großbaustelle geglichen. Türen, Böden, Decken und Fenster, Hausflur, Keller und Dachboden – alles musste erneuert werden.

Kurzschluss in einer der Erdgeschosswohnungen

Auch das Hab und Gut der Bewohner war den Flammen im Juli 2016 zum Opfer gefallen. „Wir haben damals wirklich alles verloren: Kleidung, Möbel und alle anderen persönlichen Gegenstände. Alles war weg“, sagt Becker. Der pensionierte Beamte hat die Bilder von damals noch genau vor Augen. Morgens um halb acht hatte ein Kurzschluss in einer der Erdgeschosswohnungen den Brand verursacht. Der Schäferhundmischling Tiny schlug Alarm und weckte die schlafenden Hausbewohner.

„Als ich die Tür zur Wohnung meines Sohnes geöffnet habe, schlugen mir die Flammen schon entgegen. Der Junge ist dann aus dem Fenster im Erdgeschoss gesprungen“, sagt Becker. Er selbst konnte das Haus noch rechtzeitig verlassen. Zwei Bewohner musste die Feuerwehr aus ihren Wohnungen befreien. Sechs Menschen wurden verletzt. Tiny starb.

Bewohner können sich gegenseitig Halt geben

An der Wand in Beckers neuer Wohnung hängt ein Bild der Hündin. „Ohne sie wären wir nicht lebend da rausgekommen“, erklärt Becker, der eigentlich schon am Samstag in seine frisch sanierte Wohnung ziehen wollte. Weil die Schlafzimmerdecke zu niedrig gezogen wurde, passt nun aber der Schrank nicht. „Und wenn der nicht steht, kann ich das Bett auch nicht aufbauen“, sagt der Pensionär.

Becker freut sich darauf, dass die meisten ehemaligen Bewohner nach mehr als einem Jahr bald wieder in das Haus zurückkehren: „Dann können wir uns gegenseitig Halt geben. Es weiß ja keiner, wie die erste Nacht hier für alle sein wird.“ Er selbst wird der erste Rückkehrer sein. Bis zum 1. Dezember soll das Haus wieder voll bezogen sein. Mit Ausnahme einer der beiden Wohnungen im zweiten Obergeschoss. Die ist bislang noch nicht vermietet.

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