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Prozessauftakt

Streit zweier Muslime endet in Messerstecherei

DORTMUND/CASTROP-RAUXEL - Erst beteten sie zusammen, dann kam es zum Streit: Das Abendgebet in der Moschee an der Bodelschwingher Straße ist für einen 73-jährigen Moslem fast tödlich ausgegangen. Seit heute beschäftigt die Bluttat das Dortmunder Schwurgericht.

Angeklagt wegen versuchten Totschlags ist ein 68-jähriger Mann, der den Rentner mit einem angespitzten Schraubendreher attackiert und lebensgefährlich verletzt haben soll. Sein angebliches Motiv: Er fühlte sich in seiner Ehre gekränkt.

Fakt ist: Täter und Opfer sind gläubige Moslems, die mehrmals täglich in der Moschee beten. Sie leben seit den 1970er Jahren in Castrop-Rauxel und pflegten ihre Freundschaft – bis zur Bluttat am 28. November.

Vorzeitiger Gebetsbeginn

Weil der Iman am Tattag frühmorgens nicht rechtzeitig in der Moschee erschienen war und die Gläubigen warten mussten, wollte das spätere Opfer schon mit dem Gebet beginnen – ein nicht unüblicher Vorgang. Doch der Angeklagte soll den 73-Jährigen angebrüllt haben: "Setz' dich wieder hin!".

Daraufhin soll der Rentner das Verhalten des Angeklagten als "unehrenhaft und unmoralisch" kritisiert haben. Der Angeklagte war entsetzt und betonte vor Gericht: "So etwas ist eine sehr schlimme Beleidigung."

Nach dem Abendgebet wollte er den 73-Jährigen vor versammelter Gemeinde in der Moschee zur Rede stellen. Doch der Rentner stand einfach auf und ging. Mit den Worten "Bleib hier, wir haben noch eine Rechnung offen" soll der Angeklagte hinter ihm hergelaufen sein. Was dann geschah, schilderten Täter und Opfer gestern ganz unterschiedlich.

Lebensgefahr

Fakt ist: Der 73-Jährige musste kurz darauf mit über zehn Stichverletzungen in Brust und Bauch notoperiert werden. Es bestand Lebensgefahr. Der Angeklagte stellte sich kurz nach der Tat der Polizei und berief sich auf Notwehr. Er habe nur aus Selbstschutz den spitzen Schraubendreher gezückt, den er für Handwerksarbeiten immer in der Tasche habe.

Richter Wolfgang Meyer verhehlte seine Zweifel an dieser Version allerdings nicht. "Ihre Notwehr-Schilderung hört sich sehr nach Ausrede an", sagte Meyer zu dem Angeklagten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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