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Charleys Hitparade: So nannte sich die Plattenrubrik von Charly Plücker in den 70er-Jahren in der Zeitung.

Serie "Meine Platte"

Charly Plücker ist eine Castrop-Rauxeler DJ-Legende

CASTROP-RAUXEL - Wenn man Charly Plücker Plattenaufleger nennt, dann wird das seinem Handwerk, das er jahrzehntelang in diversen Diskotheken in der Region ausübte, kaum gerecht. „Ein Discjockey war für mich einer, der auch die Sprache pflegt“, sagt der 76-Jährige. Er pflegte die Kunst des Moderierens – und war jahrelang auch eine Institution in der Castrop-Rauxeler Jugend- und Medienszene. Er und seine Hitparade.

Er weiß heute nicht mehr, was in seiner Hitparade wann auf Platz 1 stand. Aber dass er sie auflegte, Woche für Woche in dieser Zeitung, nach seinem Musikgeschmack und dem, was für ihn hitverdächtig war – das war eine Institution in den 70er-Jahren. Tom Jones, Tony Christie, die „Les Humphries Singers“, Rod Stewart: Größen der Musikgeschichte, die damals erfolgreich waren.

„Ich habe so viel Musik gehört in meinem Leben – ich habe heute selten das Radio an“, sagt Plücker heute. Musik war tatsächlich sein Leben. Vor allem Musik von der Schallplatte. „2000 Platten hatte ich bestimmt – also nur die, die ich richtig gekauft habe“, erinnert er sich. Vor allem 33 1/3, also die normale LP-Größe, und unzählige Singles. Denn er kaufte nicht nur, er wurde beliefert – mit „guter, flotter, junger Tanzmusik“, wie er heute sagt.

Charly Plücker hörte Probe für Plattenverlage

200 bis 300 Plattenmuster pro Monat habe er in der Hochphase seines DJ-Lebens zugeschickt bekommen. „Also alles, was auf den Markt kam.“ Die Plattenverlage testeten unter anderem an ihm aus: „Was ist marktfähig, was nicht?“, so Plücker. Die Platten hatten keine Labels, keine Beschriftungen. „Ich habe immer in alles kurz reingehört“, erzählt der Castrop-Rauxeler, „Bemerkungen dazu abgegeben und sie dann an die Verleger zurückgeschickt. Die Platten, die konnte ich aber behalten.“

Er legte sie ab Anfang der 60er-Jahre als Student im Nebenjob auf und bestimmte so auch mit, was bekannt wurde – und was nicht. Plücker schloss sich der 1963 gegründeten Deutschen Discjockey-Organisation an, erreichte, obwohl er Student und kein DJ-Vollprofi war, Platz 57 einer deutschen Top-100-DJ-Liste. Hier aber war er in der Szene bekannt.

„Der Laden brummte“, sagte er über seine Zeit im Club Carré, einem der bekanntesten Läden nach Studio B2 in Bochum in der Region. Im Tanzladen Bresser an der Cottenburgstraße war er praktisch zu Hause, bei Koch-Willms an der Borghagener Straße (heute Mythos) stieg er Ende der 60er-Jahre auf Anfrage von Rudi Willms ein und legte zum Teil freitags, vor allem aber samstags und sonntags auf.

Einkäufe bei Schallplatten Müller und in Arnheim

Seinen großen Plattenschatz legte er sich über Einkäufe bei „Schallplatten Müller“ am Biesenkamp, später an der Lönsstraße zu. 4,75 D-Mark für die Single. Und er fuhr einmal im Monat nach Arnheim, wo er 20 Prozent Rabatt bekam.

Als CDs die Platten ablösten und dann Computer und Tablets die CDs ablösten, da war er nicht mehr als DJ unterwegs. Er moderierte Veranstaltungen, noch über Jahrzehnte. Aber er hat die Schallplatte nicht vergessen. „Das hatte mehr Erlebnischarakter, da war mehr Emotion drin als in einem Laptop“, sagt Charly Plücker. Klar, die Informationen, die in so einem Laptop steckten, das sei schon Wahnsinn: binnen Sekunden den richtigen Titel aus 130 000 herauszufischen – so einfach war das früher nicht. „Aber ich habe lieber 20 Platten rausgezogen und zwischen den Titeln mit einigen Worten die Stimmung angeheizt“, erzählt er.

Früher, so Plücker, sei Post bei ihm angekommen, korrekt zugestellt, die einfach nur so adressiert war – keine Straße, keine Postleitzahl. Einfach nur: An Charly, Castrop-Rauxel.

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